„Solche Entscheidungen sind extrem schwer zu treffen. Temmy lebte seit dem Jahr 2000 bei uns im Zoo, sie war ein wichtiges Mitglied der Orang-Utan-Gruppe und hatte eine enge Bindung zu ihren Tierpfleger*innen. Sie einzuschläfern, ist ein schwerer Verlust für alle, aber schlussendlich haben wir diese Entscheidung für Temmy getroffen“, sagt Kuratorin Isabel Seyrling.
Das alte Orang-Utan-Weibchen hatte bereits seit längerer Zeit eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung. Bei Orang-Utans ist in solchen Fällen häufig auch der Kehlsack betroffen, der unter dem Kinn liegt und bis in den Arm- und Achselbereich reicht. Auch bei Temmy hat sich die Entzündung in diese schwer zu behandelnden Bereiche ausgebreitet.
Zudem wurden bei einer Computertomographie (CT) in einer externen Klinik Verknöcherungen in der Wirbelsäule festgestellt. „Diese Verknöcherungen haben Temmys Bewegungen nach und nach immer weiter eingeschränkt. Zuletzt fielen sie ihr immer schwerer“, sagt Zootierärztin Johanna Reuken. „Wir haben Temmy natürlich tiermedizinisch eng betreut und alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt, aber schlussendlich kamen wir an einen Punkt, an dem wir ihre Beschwerden nicht mehr ausreichend behandeln und mildern konnten. Das hat für die Tierpflege, die Kuration und uns den entscheidenden Ausschlag gegeben.“
Temmy war einer der ältesten Orang-Utans in Europa und lebte im Allwetterzoo zusammen mit drei weiteren Orang-Utans. Sie war ein sehr dominantes, aber liebevolles Weibchen. Sie liebte Wasser und das Planschen darin, inspizierte und testete alles Neue sofort. Sie hatte Spaß am Training und war immer motiviert, schenkte ihr Vertrauen aber nicht jedem.
Für ihren Sohn Ito, der 2006 in Münster zur Welt kam, war sie eine liebevolle Mutter. Für die anderen nicht leiblichen Jungtiere, wie Hutan, der im Juni 2023 zur Welt kam, nahm sie die Rolle einer Tante ein und war eine beliebte Spielpartnerin.

